DER KINDERGARTEN

Mit zunehmendem Alter wächst die Neugierde der Kinder auf neue Herausforderungen und sie verlassen immer öfter den beschaulichen Bereich des Nestes. Dies ist dann die Zeit, in der wir das Kind auf seinen Wechsel in den offenen Kindergartenbereich vorbereiten. Je nach Kind kann der Zeitraum unterschiedlich lang sein.

Einiges bleibt gleich, anderes wird sich ändern. Das Kind wird zunehmend selbstständiger und mehr und mehr für sein Lernen mitverantwortlich. Obwohl die Türen in der offenen Arbeit auch schon mal geschlossen sein können, haben die Kinder die Möglichkeit sich ihren Spielbereich, je nach Bedürfnis auszusuchen.

Auch wenn in der offenen Arbeit die Räume nicht das wichtigste Merkmal sind, dann sind sie doch das, was als erstes ins Auge fällt: die Funktionsräume.

Sie sind, wie der Name schon sagt, nach ihrer Funktion eingerichtet und bieten eine anregungsreiche Umgebung, in der es viel zu entdecken gibt, die zum Spielen und Bewegen, zum Experimentieren und Sich-Ausprobieren reizt; die Kinder zum kreativen Tun anregen und gleichzeitig eine Atmosphäre bieten, in der sie sich angstfrei, ohne Zeit- und Erfolgsdruck ausprobieren dürfen.

SCHUKIS

Das letzte Jahr ist für die Kindergartenkinder ein ganz besonderes. Sie sind jetzt die Ältesten im Kindergarten und das verleiht ihnen besondere Rechte, aber auch Pflichten.

In der Schukigruppe erleben sich die Kinder als die Großen, die schon vieles können, die ‚stark‘ sind – die aber auch mal schwach sein dürfen, mal helfend, mal hilfesuchend. Solche Erfahrungen sind Grundlage für gegenseitiges Verständnis und verantwortliches Handeln. Die Kinder planen miteinander, setzen sich auseinander, lernen sich behaupten, finden Kompromisse und schließen neue, bzw. vertiefen vorhandene Freundschaften.

Sie machen die Erfahrung, dass alle Meinungen wichtig sind und frei geäußert werden dürfen. So wird Toleranz gegenüber anderen Meinungen, selbstbewusstes Entscheiden, Mut vor der Gruppe zu sprechen und Kritikfähigkeit geschult.

Dieses letzte Jahr bietet den Kindern Aufgaben und Herausforderungen, an denen sie nochmals wachsen können. Themen der Kinder werden zu Projekten, Interessen werden geweckt und die Gemeinschaft wird in besonderem Maße gefordert. Auch wird nun die Umwelt ausserhalb des Kindergartens viel stärker in die Erlebniswelt mit aufgenommen.

Aber mit den Rechten kommen auch die Pflichten: Wochenaufgaben müssen erledigt werden, Dienste werden vergeben. Eben alles, was ein künftiges Schulkind mit auf den Weg bekommen soll.

WÜRZBURGER TRAININGSPROGRAMM

Neben den Projekten bieten wir den Vorschulkindern das „Würzburger Trainingsprogramm“ an. Es legt den Grundstein für den späteren Schriftspracherwerb. „Hören, Lauschen, Lernern“ ist ein an der Universität Würzburg entwickeltes und wissenschaftlich erprobtes Förderprogramm zur spielerischen Vorbereitung auf das Lesen- und Schreibenlernen in der Schule. Hierbei geht es nicht darum, schulische Inhalte in den Kindergarten vorzuverlegen, sondern vielmehr darum, die Freude am Umgang mit der Sprache zu wecken und dadurch optimale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in die Schule zu schaffen.

Das Trainingsprogramm wird in den letzten sechs Monaten durchgeführt und umfaßt einen Zeitraum von 20 Wochen. Die einzelnen Übungen finden täglich statt und dauern ca. 15 Minuten.

Das Programm besteht aus sechs inhaltlich aufeinander aufbauenden, kindgerechten Lerneinheiten, die spielerisch gestaltet sind:

1. Lauschspiele (1. bis 3. Woche)
Die Lauschspiele sollen die Kinder schulen, ihre Aufmerksamkeit auf Geräusche und Laute in ihrer Umgebung zu richten, sich auf verbale und nonverbale Signale zu konzentrieren und den Ursprung von Geräuschen zu lokalisieren.

2. Reime (1. bis 4. Woche)
Reime fordern dazu auf die Lautstruktur der Sprache zu beachten. Durch die Reimspiele sollen die Kinder lernen, dass die gesprochene Sprache nicht nur eine Bedeutung hat, sondern auch eine Form, einen Klang hat, den man „erhören“ kann.

3. Sätze und Wörter (3. bis 7. Woche)
In dieser Übungseinheit sollen die Kinder lernen, dass Sprache in kleinere Einheiten aufgeteilt werden kann. Sie lernen den Begriff Satz kennen und es wird ihnen beigebracht, dass Sätze in kleinere Einheiten, nämlich in Wörter zerlegt werden können. Außerdem lernen sie, dass einzelne Wörter miteinander verbunden werden oder umgekehrt auch wieder in zwei Bestandteile zerlegt werden können (z.B. Schnee-Mann).

4. Silben (5. bis 9. Woche)
Die Kinder lernen Silben aufgrund des Sprechrhythmus zu identifizieren. In den Spielen dieser Trainingseinheit wird die Silbenanalyse (das Zerlegen eines Wortes in seine einzelnen Silben) und die Silbensynthese (Zusammenziehen von Silben zu einem Wort) spielerisch geübt.

5: Anlaute (7. bis 20. Woche)
Die fünfte Übungseinheit beschäftigt sich mit der kleinsten Einheit der Sprache, den Phonemen (Lauten). Die ersten Spiele beschäftigen sich mit dem Anlaut (erster Laut im Wort). Einfach aussprechbare und wahrnehmbare Laute wie Vokale und Dauerlaute (z.B. f,s,m,l) werden vor den Verschlusslauten (z.B. p,t,k) gelernt.

6: Phoneme (Laute) (11. bis 20. Woche)
In der letzten Trainingseinheit lernen die Kinder, sich auf Laute innerhalb eines Wortes zu konzentrieren. Zunächst sollen sie aus einzelnen Lauten kurze Wörter, dann immer längere zusammensetzen (Phonemsynthese), später folgen Spiele zur Phonemanalyse, dem Zerlegen eines Wortes in seine einzelnen Laute.

ZAHLENLAND

Viele Ansatzpunkte für frühe mathematische Bildung lassen sich jederzeit im Kindergartenalltag finden und werden ganz selbstverständlich aufgegriffen, wie zählen, Regelspiele, vergleichen, ordnen, messen…

Zur Vertiefung des Zahlen- und Mengenverständnisses haben die Schukis die Möglichkeit an dem Programm „Entdeckungen im Zahlenland“ teilzunehmen. Ziel ist es, Kindern zu einer breiten und nachhaltigen Grundlage für das Verständnis von Mathematik zu verhelfen. Die Kinder möblieren im »Zahlenhaus« die Wohnungen der Zahlen 1 bis 10, nähern sich auf dem »Zahlenweg« von 1 bis 20 den Zahlen Schritt für Schritt und erfahren in den »Zahlenländern« 1 bis 10, wo überall Zahlen zu finden sind.